EU-Legierungszuschläge endgültig ad absurdum geführt
EU-Legierungszuschläge endgültig ad absurdum geführt

24. Juni 2022 – Die EU Legierungszuschläge wurden gerade mit einem kleinen Absatz in einer aktuellen Pressemeldung endgültig ab absurdum geführt. Was ein möglicher neuer Lebensmittelskandal um Separatorenfleisch in deutschen Wurstwaren damit zu tun hat? Die Frage haben wir uns auch gestellt. Und die größte US-amerikanische Aluminiumhütte muss ihre Produktion für neun bis zwölf Monate einstellen, wovon bis zu 250.000 Tonnen Primäraluminium betroffen sind.

US: Größte Aluminiumhütte muss Produktion einstellen

Die größte US-amerikanische Aluminiumhütte, Century Aluminium, hat angekündigt, dass sie ihre Haupthütte in Hawesville, Kentucky, für voraussichtlich neun bis zwölf Monate schließen muss. Hintergrund sind stark gestiegene Stromkosten, die einen wirtschaftlichen Betrieb des Werkes aktuell unmöglich machen.

Hersteller von hochreinem Primär Aluminium

Nach Angaben des Unternehmens produziert die Aluminiumhütte in Hawesville hochreines Primäraluminium, das unter anderem in der Rüstungs- und Luftfahrtindustrie verwendet wird. Die Hütte hat ein jährliches Produktionsvolumen von 250.000 Tonnen Primäraluminium.

Meinung: Spinnen die Europäer jetzt komplett?

Nachdem die drei großen EU Edelstahlhersteller sich entweder in einem gegenseitigen Wettbewerb oder in gemeinsamer Absprache beim Unterbieten der Legierungszuschläge übertroffen haben, schlägt nun auch ein südeuropäischer Re-Roller in eine ähnliche Kerbe.

Wie man hört, werden von völlig verzweifelten Verkäufern dieses Unternehmens Preise vorausgesagt, die nicht einmal der mathematischen Kompetenz eines Grundschülers in der ersten Klasse gerecht werden können.

Dies alleine wäre ja schon Grund genug, an der Denkleistung verschiedener Europäischer Akteure zu zweifeln, aber irgendwer muss immer noch einen oben drauf legen.

EU Legierungszuschläge endgültig ad absurdum geführt

Bereits gestern hatten wir auf das Ergebnis der Abstimmung zur Überarbeitung des Europäischen Emissionszertifikate Handels und die CO2 Grenzabgabe CBAM verwiesen, die nicht unbedingt so ausgegangen ist, wie sich die europäischen Stahlhersteller das gewünscht hatten.

Ein Satz aus der Pressemeldung der EUROFER dazu benötigt ein wenig mehr Aufmerksamkeit.

„In addition, the Parliament missed the opportunity to concretely address the upstream emissions of input materials used for the production of stainless steel. Those emissions are up to seven times higher in imported products compared to EU stainless steel production.“

Source: Eurofer, 22 June 2022

Was hat das mit den EU Legierungszuschlägen zu tun?

Mit dieser Aussage, sind alle Argumente für die Legierungszuschläge der Europäischen Edelstahlhersteller dahin. Europäischer Edelstahl ist bis zu siebenmal sauberer, als importierter.

EAFs, Edelstahlschrott und kostenlose ETS Zertifikate

Woran das liegt? Am Rohstoff Edelstahlschrott. Und, das verrät Herr Eggert dem geneigten Leser nicht, emittiert nach EU Regularien beim Schmelzen im EAF kein CO2. Setzen die Stahlhersteller 90% Edelstahlschrott ein, emittieren ihre EAFs offiziell gar kein CO2 mehr und bekommen – zur allgemeinen Überraschung – ihre freien ETS Zertifikate dafür.

Woraus berechnet sich der EU Legierungszuschlag?

Das Problem dabei? Woraus berechnet sich der Legierungszuschlag für einen 304? Genau aus Nickel, Ferrochrome und Schrott bzw. Eisen. Wobei in der offiziellen Berechnung einfacher Stahlschrott (KEIN Edelstahlschrott) gemeint ist.

Wo steht da jetzt Edelstahlschrott?

Der Hauptrohstoff, den die EU Edelstahlhersteller in ihre EAFs tun, hat offiziell gar keinen Anteil an der Berechnung der Legierungszuschläge obwohl sie damit werben, dass sie bis zu 90% Edelstahlschrott in ihren Elektroöfen verarbeiten.

Sortenreiner Edelstahlschrott wird aber trotzdem eingerechnet. In unterschiedlicher Höhe, was die Abweichungen bei den monatlich neu berechneten Legierungszuschlägen erklärt.

Bis zu 90% Edelstahlschrott im EAF

Bei einer Schrottquote von 90% kann ein Hersteller nur noch 10% andere Zutaten (wie z.B. Nickel, Chrome, Molybdenum) dazu tun, um einen halbwegs brauchbaren 304 oder 316L zu bekommen. Das stellt eine Herausforderung für die Hersteller dar, da ab einer bestimmten Menge Schrott die Qualität des Edelstahls leidet und am Ende nur noch Langprodukte daraus gemacht werden können. Flachprodukte hingegen nicht.

Und schon wieder DRI/HBI

Das ist auch einer der Gründe, warum die Hersteller nach der Abstimmung im EU Parlament auf einmal so drängend nach grünem Wasserstoff rufen. Direct Reduced Iron (DRI) bzw. Hot Briquetted Iron (HBI) ist die Wunderwaffe, um die EAFs grün zu bekommen. Erst war geplant, das DRI/HBI so lange wie möglich mit billigem Erdgas zu produzieren. Die Zeiten billigen Erdgases sind vorbei und es ist auch nicht mehr unbeschränkt verfügbar.

Freie ETS Zertifikate an Bedingungen geknüpft

Das besondere an dem DRI/HBI ist, dass die CO2 Emissionen, die bei der Herstellung von DRI/HBI anfallen, ursprünglich nicht dem Nachfolgeprodukt, also dem flüssigen Metall zugeschlagen werden mussten, um die freien ETS Zertifikate zu bekommen. Es musste einfach nur eine Scope 3 Emission sein.

DRI schon seit Jahrzehnten bekannt

Denn eigentlich ist DRI/HBI nichts Neues und bekanntermaßen produziert es furchtbar viel CO2 in der Herstellung. Es ist eigentlich für den Einsatz in EAFs gedacht, kann aber auch in BF/BOF zur Effizienzsteigerung eingesetzt werden. Die CO2-Emission wird einfach vom BF/BOF auf einen anderen Verursacher verlagert.

Und schon erklärt sich, warum plötzlich blauer Kaugummi Stahl mit minimalen CO2 Emissionen auf dem Markt aufgetaucht ist. Sich an den technischen Innovationen nichts wirklich verändert hat.

Grüner Wasserstoff macht „grünes“ DRI/HBI

DRI/HBI wird erst durch den Einsatz von grünem Wasserstoff „grün“. Vorher ist er einfach nur eine weitere CO2-Dreckschleuder, der aber gebraucht wird, um flüssiges Metall für qualitativen Flachstahl zu produzieren.

Nun müssen diese Scope 3 Emissionen auf die ein oder andere Weise aber wohl in Zukunft eingerechnet werden. Autsch. Das Ende von grünem Stahl aus dreckigen Rohstoffen.

Green Washing, hatten wir gestern schon. Worauf wir heute eigentlich hinauswollen, ist die Tatsache, dass die Kunden einen Aufpreis für Inhaltsstoffe zahlen müssen, die gar nicht oder nur in deutlich geringeren Mengen als angegeben im Produkt enthalten sind.

Kurzer Ausflug zu einem vergleichbaren Fall?

Vielleicht gibt es in Deutschland gerade einen ähnlichen Fall. In der Lebensmittelindustrie. Wieder einmal scheint ein deutscher Wursthersteller der Meinung gewesen zu sein, er müsse tierische Abfallprodukte, sogenanntes Separatorenfleisch, in seine Produkte mischen. Das deutsche Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat eine spannende Definition dazu auf seiner Website und die Europäische Union hat eine Verordnung dazu.

Wir fragen uns gerade, ob es das auch in anderen Bereichen gibt.

Klares Statement gegen die Legierungszuschläge

Jedenfalls hat die EUROFER gerade klar und deutlich kommuniziert, dass Europäischer Edelstahl in der Produktion bis zu siebenmal sauberer ist, als importierter Edelstahl. Und Sie als Leser wissen jetzt auch, warum das so ist und warum die Europäischen Legierungszuschläge mit einer einfachen Pressemeldung ad absurdum geführt wurden.

„Herr wirf Hirn vom Himmel (oder Coils, Hauptsache Du triffst die richtigen)!“

frei aus der deutschen Umgangssprache

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